Bleiben wir eigentlich im Dialog?

Zwei Wochen sitzen wir nun schon aufeinander. Zum Glück ist das Wetter frühlingshaft und lädt zum Spaziergang ein. Das nutzen wir. Viel häufiger als sonst.

Rund ums Haus erledigen wir Dinge, die schon lange liegen geblieben sind.

Aber – bleiben wir eigentlich im Dialog? Einem gleichwürdigen Dialog auf Augenhöhe? Oder ist das eher ein Monolog. Von Seiten der Erwachsenen?

Kommunizieren ist mit Jugendlichen schwierig. Höre ich oft. Das Zimmer sieht chaotisch aus. Die Mahlzeitensituation gleicht einem Hotelbetrieb. Es wird viel gegammelt, gezockt, manchmal gestritten oder auch geschwiegen. Und wir Großen verfallen ins „Erziehen“.

Dabei sollten wird wir doch da eigentlich längst raus sein. Unsere Jugend ist uns in vielen Fällen körperlich schon über den Kopf gewachsen. Wir sind nicht mehr die „Großen“, sondern eher „Kleine-Eltern“.

Trotzdem verfallen wir vielleicht in der jetzigen angespannten und ungewissen Situation immer wieder in Monologe. Monologe darüber, dass die Aufgaben gemacht werden müssen. Dass davon Noten abhängen und damit Schulkarrieren. Dass aufgeräumt werden muss, früher aufgestanden, geduscht, etc… Wir nörgeln vielleicht, dass zu viel Zeit online verbracht wird.

Aber warum eigentlich? Wieso verfallen wir in Erziehung, Monolog, Nörgelei? Vielleicht ist es die Angst und Ungewissheit vor der Zukunft. Dass nichts mehr so sein wird wie bisher. Das Unbekannte?

Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere Jugend in der gleichen ungewissen Situation ist wie wir. Zusätzlich sind sie im Umbruch. Die Jugendlichen sind auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Sie sind in vielen Bereichen viel reflektierter als manch Erwachsener. Übernehmen Verantwortung für sich und ihre Handlungen, wenn wir sie lassen und es ihnen zutrauen.

Die Jugendlichen, die ich kenne, sind sehr diszipliniert beim Kontaktverbot. Es sind Jugendliche, die sich Gedanken machen, wie sie andere, die sonst zu ihnen in die Gruppenstunden kommen, zur selben Zeit wie sonst ein Online-Meeting anbieten.  

Sie werden sehr kreativ. Die einen treffen sich per WhatsApp und spielen „Wehrwolf“. Zwei Spielleiter sind per Skype verbunden und koordinieren die anderen 18 Mitspieler.

Andere treffen sich per Skype zum Gitarre spielen und Singen.

Wieder andere bauen zusammen auf einem eigenen Server die reale Welt in Minecraft nach, um dann irgendwann „Versteck-Fangen“ spielen zu können.

Sie helfen sich gegenseitig bei den Aufgaben, sind in Kontakt, in Beziehung. Wir Großen können eigentlich mega zufrieden sein, wie das läuft. Trotzdem Erziehen wir.

Schade, dass wir Großen in dieser Ausnahmesituation ab und zu noch in alte gewohnte Muster verfallen. Doch: der erste Schritt ist schon geschafft, wenn man es merkt. Es birgt die Chance innezuhalten und zu reflektieren. Und anders zu machen. Den Jugendlichen fragend und neugierig auf Ihren Standpunkt entgegen zu treten. Sie fragen, was ihr Plan ist und ihnen nicht den Tagesplan vorschreiben. Wenn Widerstand spürbar ist nachfragen, ob es ihnen gut geht, ob sie Unterstützung brauchen, was ihnen guttun würde. Dann abwarten. Nicht bedrängen.

Und darauf vertrauen, dass alles gut geht. Und wenn nicht so, wie wir es uns vorgestellt haben, dann so, wie es sich die Jugendlichen vorstellen. Fehler und Misserfolge zulassen. Und beim Aufstehen die Hand reichen.

Uns Eltern wünsche ich die Gelassenheit, darauf zu vertrauen, dass die Jugendlichen es schon gut hinbekommen.  

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