Eine Chance

Die Schulschließungen bewirken in den nächsten 5 Wochen so etwas wie Homeschooling für unsere Kinder und Jugendlichen. Spannend. Ein Experiment.

Unsere drei Jugendlichen sind auf sich und die Kernfamilie zurückgeworfen. Der Tagesablauf ist komplett frei. Sie müssen sich selbst organisieren. Trotzdem sprechen Sie sich ab und treffen sich mit den Geschwistern zu den Mahlzeiten. Schön. Eine eingeschworene Geschwistergemeinschaft. Es werden Haushaltsdinge selbstverständlich übernommen. Einer fragt, wann die Eltern zu Hause sind, um das Essen dann fertig zu haben.

Unsere Kinder und Jugendlichen bekommen per E-Mail Aufgaben, die irgendwann mit Deadline geschafft werden müssen. Keine Termine mehr nachmittags und abends und am Wochenende. Total entschleunigt.

Sonst sind sie permanent unterwegs. Sie haben lange Schule bis spätnachmittags. Von dort aus an den meisten Nachmittagen dann direkt unterwegs zu Pfadfinderterminen. Sich ehrenamtlich engagieren. Spaß haben, aber auch übernommene Verantwortung über Monate und Jahre zuverlässig tragen. Auch nicht so schöne Dinge erledigen. Der ganze Tag, die Woche durchgetaktet.

Jetzt freie Zeiteinteilung. Sich selbst organisieren. Sie treffen nur digital ihre Freund*innen. Sie haben dafür aber auch coole Ideen, stellen sich gegenseitig Challenges, sind kreativ.  

Ich bin gespannt. Ich habe das Gefühl, dass sie in den nächsten paaren Wochen wachsen. Sie wachsen an der neuen Situation.

Sie stellen sich der Verantwortung für ihre Schulsachen und organisieren sich selbst. Sie merken, wie schnell oder langsam sie sich neue Dinge aneignen. Sie können kreativ andere Kanäle als bisher wie den gewohnten Schulunterricht nutzen. Merken, wie sie sich am besten selbst Dinge erarbeiten. Versuch und Irrtum. Aber dafür das Wissen wirklich wissen. Die Verantwortung für die digital übermittelte Schuldinge lassen wir komplett bei den Jugendlichen. Sie können Unterstützung von den Geschwistern bekommen, wenn nötig. Auch wir Großen stehen selbstverständlich als Ansprechpartner zur Verfügung. Unser Mittlerer muss in Deutsch sogar eine Audio-/Videodatei abgeben.

Sie haben alle drei selbstverständlich schon seit einigen Jahren eine eigene Emailadresse. Natürlich haben wir Erwachsenen da keinen Zugriff drauf. Wir vertrauen, dass sie es gut machen.

Bei unserer Jüngsten wird die Emailadresse bisher nur sporadisch genutzt. Messengerdienste sind da viel stärker frequentiert.

Die bisher nur langsam in den Schulen angekommene Digitalisierung erfährt einen riesigen Quantensprung. Leider etwas Holterdipolter und nicht wirklich vorbereitet. Trotzdem eine große Chance. Es besteht die Hoffnung, dass nach dieser Schulgebäudefreienzeit diese Ressource tatsächlich in den Schulen angekommen ist und mehr genutzt werden wird. Zuminest ist es schon einmal ein Vorgeschmack auf ein mögliches Studium und die Art im selbigen Dinge zu erarbeiten.

Ich bin gespannt, wie sich das Sich-selbst-Dinge-erarbeiten in der zukünftigen schulbekannten Im – Schulgebäude-Lehr- und Lernmethode auswirken wird. Die Situation jetzt erfordert viel Flexibilität und unkonventionelle Lösungen. Großartig. Für alle – Große, Mittlere, Kleine, Lehrer*innen und Schüler*innen eine riesengroße Chance.

Unsere Kinder – und Jugendlichen wachsen an der Fähigkeit mit unvorhersehbaren Situationen umzugehen. Sie sehen und spüren, wie wir Erwachsenen mit der aktuellen Situation umgehen. Wir sind das Vorbild für sie. Auch wenn das verständlicherweise im Jugendalter meist nicht zugegeben wird. Wir nehmen die Situation ernst, verfallen aber nicht in Panik. Flexibel bleiben. Lösungsorientiert denken. Im Gespräch mit den Jugendlichen bleiben. Resilienz entwickeln.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.