Un-Gewissheit

Die fünfte Woche Kontaktbeschränkung. Es sind Osterferien. Eigentlich die absolute Freiheit. Geplante Wanderfahrten mit den Pfadfindern und Urlaube mussten abgesagt werden. Kein Tapetenwechsel möglich. Einerseits die Enttäuschung darüber, dass es nicht stattfinden kann, andererseits die unendlich viele Zeit, die gefüllt werden muss. Die einzige Freiheit, die sich die Jugendlichen rausnehmen ist, abends lange Online mit Freunden treffen und morgens lange schlafen.

Abwechslung mit nettem Kochen, Gesellschaftsspiele, Filmabend, Lagerfeuer, Spaziergänge, etc. werden oft noch angenommen. Sie haben aber schon lange nicht mehr den ablenkenden Effekt. Die Jugendlichen würden sich über Alltag freuen. Über ungeplante Begegnungen in der Schule, im Bus.

Dass keiner besucht werden darf, zehrt. Geburtstage von Freundinnen und Freunden, aber auch von Oma und Opa gehen vorüber. Nur telefonischer oder Videoanruf-Kontakt. Nicht persönlich. Schade.

Der Wunsch nachzufeiern. Je länger es dauert, desto mehr Feiern stauen sich auf. Da kommen wir nach C. nicht mehr aus dem Feiern raus. Lustige Vorstellung.

Ich bin aber auch stolz auf unsere Jugendlichen.

Es gibt keine nennenswerten Konflikte im Zusammenleben. Alle packen im Haushalt an. Auch überhaupt keine Diskussionen bezüglich der Sinnhaftigkeit des Ganzen. Hoffentlich hält das noch eine Weile an. Wir müssen alle mit der Ungewissheit und Unplanbarkeit leben.

Können einander sehen und im Gespräch bleiben, aber es nicht ändern. Können verzweifelte Augenblicke begleiten, aber nicht weg reden. Ganz neue Erfahrung, wie sich tiefgehende Dialoge um alles Mögliche entspinnen. So viel Zeit miteinander hatten wir nie. Vielleicht wird sie uns im Gedächtnis bleiben mit der Zeit des intensivsten Zusammenlebens. Wer weiß?

Die Gewissheit, einander zu haben, trägt.

Welche Erfahrung habt Ihr?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.