Rück-Kehr zur „Normalität“?

KEINE Kürzung der Sommerferien!!!
Es scheint gerade „IN“ zu sein, über eine Verkürzung der Sommerferien nach zu denken. Erst fing Wolfgang Schäuble damit an, jetzt gibt es eine Umfrage der GEW zu dem Thema.Argument ist einerseits der versäumte Unterrichtsstoff und andererseits das Problem der Betreuung in den Ferien, die Eltern nicht mehr durch die letzten Wochen Kontaktbeschränkung und Schulschließung mit eigenem Urlaub abdecken können. Das können sie zu normalen Ferienzeiten sonst in der Regel auch nicht. Bei 12 Wochen Schulferien ist das unmöglich. Dafür gibt es unzählige Angebote von Jugendverbänden, Kirchengemeinden, Städtischen Erholungsfreizeiten, Bauspielplätzen, Stadtranderholung, Ferienmaßnahmen, etc. Diese werden hoffentlich auch wie gewohnt, unter Einhaltung der hygienischen Mindeststandards, mit viel Abwechslung und Spaß für tolle Ferien sorgen. Eventuell ist der Bedarf größer als zu normalen Ferienzeiten, da viele Eltern bereits Urlaub nehmen mussten, um ihre Kinder zu betreuen. Der Bedarf sollte demnach schnellstmöglich abgefragt werden, damit allen, die es brauchen, entsprechende Ferienangebote gemacht werden können. Eine finanzielle Unterstützung bedürftiger Familien sollte dafür bereit gestellt werden.
Die vergangenen Wochen waren keine Ferien. Weder für die Eltern noch für die Kinder und Jugendlichen. Erst noch mit Schulaufgaben gefüllt, dann vielleicht eher mit Langweile, Unruhe und Sehnsucht nach normalem gewohnten Tagesablauf. Obwohl Ferien dran stand, waren keine Ferien drin!
Ferien und Urlaub bedeuten Entspannung, Abenteuer, Freiheit, Tun, was man möchte. Das war überhaupt nicht möglich. Um so wichtiger ist es, sich auf die gewohnten sechs Wochen Sommerferien freuen zu können. Wer weiß, wie das langsame in die Schule und in so etwas wie „Normalität“ Zurückkehren funktioniert. Hier muss sehr behutsam und kreativ vorgegangen werden.
Es steht im Raum, ob die Klassen halbiert werden und die eine Hälfte der Schülerinnen und Schüler im Wechsel mit der anderen Hälfte mal zum Unterricht in die Schule geht und die nächste Woche zu Hause lernt. Eine Chance, Unterrichtsstoff auf „andere Art“ als gewohnt zu vermitteln und zu vertiefen.
Ich glaube nicht, dass durch die gemeinsame Zeit der Schulschließung unseren Kindern und Jugendlichen Karrieren verbaut werden. Es ist an der Zeit zu überdenken, was genau denn neben der Beziehungsarbeit, die jetzt besonders wichtig ist, an Lehrinhalten noch vermittelt werden „muss“. Weniger ist manchmal mehr. Und das ist jetzt so ein Zeitpunkt. Weniger Wissen „einfüllen“ in Kinder und Jugendliche und mehr Beziehungsarbeit. Wir alle leben in dieser schwierigen, ungewissen und belastenden Zeit. Es bleibt die Angst, sich anzustecken. Eine Gefahr für die sogenannte Risikogruppe zu sein. Diese Angst kann einem keine*r nehmen. Auf Augenhöge gehen und sich über Gefühle und Gedanken auszutauschen. Das ist jetzt wichtig.Als Erwachsener Ansprechpartner für die Kinder und Jugendlichen sein, die in den letzten Wochen mit ihren Eltern zu Hause quasi eingesperrt waren. Über das, was in den Familien los war, als alle zuhause bleiben mussten. Welche Ängste und Sorgen und Nöte es gibt.
Es ist überhaupt nicht klar, wie lange diese „Rückkehr“ dauert. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist eine „normale“ Sommerpause sowieso nicht drin.Gerade deswegen sollte an der gewohnten Wochenzahl nicht gekürzt werden. Die Kinder und Jugendlichen müssen die Möglichkeit haben, unbeschwert Unternehmungen mit Gleichaltrigen machen zu können. Die ernsten Gedanken der Erwachsenen abschütteln zu können. Dafür brauchen sie einfach Zeit. Sich mit Freundinnen und Freunden zu treffen. Nichts tun. Spaß haben. Verrückte Ideen spinnen. Werden die Sommerferienwochen gekürzt, haben die Kinder und Jugendlichen dazu gefühlt keine Zeit. Sie fühlen sich gehetzt.Sich ehrenamtlich engagierende Jugendliche und junge Erwachsene müssen seit Wochen auf Gruppenstunden, Gitarrenkreise, Stammesräte und Fahrt und Lager verzichten. Der Mai ist üblicherweise der Monat der Pfingstlager und Sternfahrten, Himmelfahrtslager, Wochenendfahrten, etc. und der Beginn der „Draußen-Saison. Diese Fahrtensaison kann gerade überhaupt nicht stattfinden. Sie hoffen, dass sie im Sommer dazu Gelegenheit haben. Sie brauchen genau wie die Kitakinder ihre Peers als Sparing-Partner. Sie haben ein Recht auf Freizeit und Erholung. Es kann nicht nur das Lernen und Wiederholen und der Schuldruck und die Angst zu Versagen im Vordergrund stehen. Kinder und Jugendliche müssen sich Erholen, um psychisch gesund zu bleiben.

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